Im Werbebild sehen wir ein Paar auf einem Fahrrad, das eine Anzeige bekommen würde. Und zwar von der Polizei, wenn die gesehen hätte, in welch halsbrecherischer Art und Weise die beiden Personen auf einem Fahrrad auf einer Straße fahren – siehe die Abbildung!
Was wollen uns die Werber damit sagen? Der Textdichter meint: „Da ist noch Luft nach oben!“ Womit er offenbar andeuten will, dass eine Himmelfahrt durch die Luft nach oben stattfinden wird, oder was…?
Dazu passend der Hinweis: „Lebe Dich.“ Denn damit soll auf das Leben nach dem Tode hingewiesen werden. So jedenfalls liest es der Spießer aus dieser Anzeige. Doch Alfons gehört hier ja gar nicht zur Zielgruppe, denn myself ist eine Zeitschrift für Frauen, die durch die Luft nach oben fliegen möchten. Als Engel.
Na, dann mal guten Flug! Und nicht das Heft vergessen – als Reiselektüre durch die Luft nach oben!
Hier ein Blog-Eintrag, der sich primär an männliche Leser richtet. Also, Männer, stellt Euch vor, Ihr seht am Kiosk das Stil-Magazin GQ. Ihr guckt auf Hollywood Star Tom Hiddleston, der dort auf dem Cover zu sehen ist und fordert: „Wir müssen mehr riskieren!“. Und dazu lest Ihr von Themen wie perfekte Jeans-Looks, wichtige Uhren-Trends aus Genf, starker Rücken in nur 20 Minuten, die besten Cocktails der Welt und die coolsten Fahrräder Retro bis High-Tech. Außerdem: „Exklusiv Fußball-Held Thomas Müller“, der erklärt: „Ich höre sofort auf, wenn…“
Das überzeugt den Mann. Und er kauft das Heft, ohne zuvor darin zu blättern. Und dann trägt er es heim, wo er es am Abend aufschlägt und diese doppelseitige Anzeige serviert bekommt: Weiterlesen →
Einer Boulevardzeitung sagt man nach, dass sie mit reißerischer Schlagzeile aufmacht. Und hinter der Sensation, die damit verkündet wird, steckt mitunter nur heiße Luft, weil die Wahrheit weniger werbewirksam ist, um damit viele Käufer anzulocken.
Und wer an Boulevardzeitung denkt, der denkt an BILD, die größte auf dem Boulevard. Zu Zeiten, als Spießer Alfons noch Werbeleiter der BILD-Zeitung gewesen ist, da verkaufte das Blatt rund 5 Millionen Exemplare. Heute weniger als die Hälfte plus die Abos im Internet. Aber BILD ist in seiner Berichterstattung, was die Verbreitung von Sensationen betrifft, sehr viel verhaltener geworden als früher einmal. Weiterlesen →
Eigentlich dürfen die öffentlich-rechtlichen TV-Sender ja keine Werbung nach 20 Uhr senden mit Ausnahme von An- und Abmoderationen vor und nach redaktionellen Sendungen. Eigentlich. Heute aber sehen wir im Ersten einen der längsten Werbespots, die jemals im TV gelaufen sind, nämlich die Verbundwerbung von adidas & Puma unter dem Titel „Die Dasslers – Pioniere, Brüder und Rivalen (1)“. Und: Der 2. Teil folgt schon morgen! Dazu kommt die nächtliche Wiederholung.
Ja, da werden die Marketer der beiden Firmen sich aber diebisch freuen, zumal sie keinen Cent dafür gezahlt haben – oder doch…? Auf jeden Fall wird man sich bei Nike vor Wut in den eigenen Sportschuh beißen. 😉
Spießer Alfons hat einen Brief bekommen. Von Lars Haider, dem Chefredakteur vom Hamburger Abendblatt. Das ist eine Tageszeitung, die früher mal Axel Springer gehörte und heute von der Funke Mediengruppe verlegt wird. Und der Chefredakteur schreibt an den Spießer: „Ihre Meinung zählt für uns“.
Dazu muss Alfons anmerken, dass der Herr Haider seinen Brief nicht persönlich gehalten hat, sondern er hat geschrieben „an alle, die Testleser werden wollen!“ Und die haben zufällig alle dieselbe Postanschrift wie Spießer Alfons.
Der Chefredakteur stellt fünf Fragen und vermerkt dazu: „2017 stehen viele wichtige Ereignisse an. Als Tageszeitung Nr. 1 in der Region interessiert das Hamburger Abendblatt Ihre Meinung dazu. Deshalb laden wir Sie zu einer kleinen Umfrage ein. Es würde mich persönlich freuen, wenn Sie uns für die Beantwortung von fünf Fragen ein paar Minuten Ihrer Zeit schenkten.“
Die Fragen findet der Empfänger auf einem gesonderten Blatt. Und das soll der Spießer „gleich ausfüllen und Dankeschön sichern!“ Dieses Dankeschön ist folgendes: „Für Ihre Teilnahme an der Umfrage haben wir das Hamburger Abendblatt 2 Wochen lang komplett kostenlos und ohne Verpflichtung für Sie reserviert. Dabei haben Sie zum ersten Mal die Wahl, ob Sie lieber die digitale oder die gedruckte Zeitung lesen möchten.“ Außerdem: „Zusätzlich können Sie als Geschenk zwischen drei Gutscheinen wählen. Und eine attraktive Bargeldprämie von € 100,- erhalten, wenn Sie nach den zwei Probewochen das Hamburger Abendblatt weiterlesen wollen.“Weiterlesen →
Wir kennen die Sendung mit der versteckten Kamera. Und wir kennen die Sendung mit Günter Wallraff und seinen Undercover-Ermittlungen. Was Joko und Klaas mit einem Ryan-Gosling-Double gemacht haben, ist eine Komponente aus beiden Sendungen.
Wenn Spießer Alfons mal historisch zurückblicken darf: Vor vielen Jahren, nämlich anno 1979, als die HORZU noch zum Hause ihres Gründers Axel Springer gehörte, da saß man ebendort in der Redaktion um Chefredakteur Peter Bachér, dem Enkel von Theodor Storm, zusammen, um die Preisträger für die Goldene Kamera zu besprechen. Dass es sich hierbei um eine Werbeveranstaltung für die Programmzeitschrift handelt, dürfte wohl jedem klar sein. Und deshalb sprach jemand aus dem Meeting: „Was wir benötigen, das ist ein spektakulärer Preisträger, über den das ganze Land spricht!“ Und ein anderer Teilnehmer aus der Runde wollte witzig sein und entgegnete: „Dann nehmen wir doch gleich den Papst!“
Was damals als Scherz gemeint war, wurde Wahrheit: Der damalige Papst Johannes Paul II erhielt die Goldene Kamera von HÖRZU war einverstanden, den Preis entgegenzunehmen. Damit wurde der Stellvertreter Gottes auf Erden zur Werbefigur zum Testimonial für die Mutter aller Programmzeitschriften. Weiterlesen →
Seit einiger Zeit brabbelt man in der Marketing- und Kommunikationsbranche von Influencer Marketing und versteht darunter: Konsumenten, die sich beeinflussen lassen von Personen, die in sozialen Netzwerken ein hohes Ansehen haben, das sie als quasi Meinungsbildner kommerziell ausnutzen, um Produkte und Dienstleistungen an leichtgläubige Follower zu verkaufen und dafür selber Bares bzw. Sachleistungen erhalten, über die sie nur ungern reden.
Sinnbild für Influencer Marketing (Litho: A. Paul Weber
Das ist im Ursprung nichts Neues, denn ein vergleichbares Unterfangen gibt es schon seit Jahrzehnten. Früher nannte man die Influencer noch Oppinon-Leader und sprach von Testimonial-Werbung. Und diese Komsum-Vorbilder wirkten damals noch nicht im Internet wie z. B. in Blogs und anderen sozialen Netzwerken, sondern im TV und auf der Showbühne, in Stadien und in den gedruckten Medien. Und das tun sie auch heute noch – Beispiel: Dieter Bohlen & Camp David.
Der Leithammel geht voran, die Schafe folgen.
Nachdem bestimmte Pop-Stars sich auf der Bühne in zerschlissenen Jeans präsentiert hatten, wollten die Fans hernach auch kaputte Hosen tragen. Ebenso sind Tatoos und Piercings auf diese Weise verbreitet worden. Und Modehersteller nutzen schon seit Ewigkeiten prominente Zeitgenossen als Werberträger, indem sie den Stars ihre Klamotten gratis frei Haus liefern, damit die Promis sich damit in der Öffentlichkeit präsentieren – sprich: werben – sollen.
Im Fernsehen gibt es etwas Vergleichbares mit Influencer-Werbung, nämlich das Product Placement, sprich: Requisiten-Reklame, die eigentlich verboten ist, wenn dabei heimlich Geld den Besitzer wechselt. Wer aber kann das in jedem Fall kontrollieren?! Und in jeder Frauenzeitschrift findet Influencer-Werbung statt, wenn die Redaktion bestimmte Produkte vorstellt und empfiehlt. Auch hier wurde schon immer geschmiert, mit Geld und Geschenken und Reisen und anderen schönen Dingen. Weiterlesen →
Eine der hohlsten Angelegenheiten in der Werbung und ihrer Fachpresse ist das sogenannte „Kreativradar“, das der Leser in HORIZONT findet. Dort werden Werbeagenturen gerangreiht nach ihren Erfolgen bei Schönheitswettbewerben, im Branchenjargon „Creative Contests“ genannt. Dabei entsteht dann übers Jahr eine Hitparade der angeblich kreativsten Agenturen, was eine echte Luftnummer darstellt. Dagegen ist die Rangreihe bei jeder Wahl zu einer „Miss Kuhdorf“ seriöser.
Bärbel Unckrich hat eine „Sensation“ entdeckt – donni, donni aber auch! (aus: HORIZONT)
Ein Gleichnis: Wir kennen alle die Buch-Bestseller-Listen in den Medien. Die Reihenfolge der Erfolgsbücher ergibt sich aus den Verkaufserfolgen der Werke. Und nun stellt Euch mal vor, ein Medium macht eine neue Rangliste der Bücher, und zwar nach der Kreativität des Inhaltes und worüber diverse Juroren im In- und Ausland abgestimmt haben.
Lacht nicht, liebe Lesergemeinde, denn so ähnlich ist es beim „Kreativradar“: Die Agenturen werden nicht nach ihrem Erfolg am Point of Sale gelistet, sondern am Point of Nail, um nur mal den Nagel-Wettbewerb des ADC als Exempel für Werbewettbewerbe anzuführen. Und die Juroren, die über die Kreativität deutscher Werbung entscheiden, stammen aus aller Herren Ländern, obwohl deutsche Werbung gar nicht in Cannes wirken soll, sondern in Bad Cannstatt und von einem Engländer oder Japaner nur schwerlich beurteilt werden kann.Weiterlesen →
Marketing ist akademisch angesiedelt im Bereich der Betriebswirtschaftslehre und bildet in der Wirtschaft einen Unternehmensbereich von ziemlicher Bedeutung. Und Werbung ist ein Teil vom Marketing-Mix, und zwar kein unwichtiger. Und es ist bekannt: Gute Werbung ist teuer für ein Unternehmen, zahlt sich aber aus. Und schlechte Werbung kann dem Unternehmen teuer zu stehen kommen.
Ein Horror-Clown vom ADC
Woher nimmt ein Unternehmen das Geld für Werbung? Klar, die Kohle kommt aus der Firmenkasse und wurde verdient durch die Arbeit vieler fleißiger Mitarbeiter. Diese Menschen arbeiten in aller Regel ernsthaft und verantwortungsbewusst, damit es der Firma und damit auch ihnen und ihren Familien wohlergehe.
Das Gleiche kann auch von den Mitarbeitern der Werbeagenturen erwarten, die von den Unternehmen mit der Durchführung der Werbung beauftragt werden. Denn die Kosten für Werbung sollen selbstverständlich keine Vergnügungspauschale für die Kreativlinge in den Werbeagenturen sein, sondern ein Return on Investment für das Unternehmen, was nicht zuletzt auch zur Arbeitsplatzsicherung von Mitarbeitern dient. Weiterlesen →
Schon vor geraumer Zeit hat HORIZONT, die Zeitung für Marketing, Werbung und Medien, einen weiteren Chefredakteur bekommen, und zwar aus Kostengründen. Sein Name ist geheim und lautet Adam. Genauer: Adam Riese. Und das ist, wie der Leser sich selber ausrechnen kann, ein Pseudonym.
Adam Riese soll neben Volker Schütz und Uwe Vorkötter als redaktioneller Zahlmeister dazu beitragen, dass die Zahlen bei HORIZONT stimmen. Womit nicht nur die Seitenzahlen des Blattes gemeint sind, sondern auch die Zahl der Köpfe. Eingesetzt wurde der geheime Chefredakteur nach spießiger Vermutung von der Sprecherin des Verlages, deren Name dem Spießer entfallen ist, weil Alfons ein schlechtes Zahlengedächtnis hat und sich kleine Nummern einfach nicht merken kann.
HORIZONT 1/2017: Eine Eigenanzeige an Stelle der Kolumne von Spießer Alfons. Wahrlich: ein echter Leserservice.
In Frankfurt hat Adam Riese zuerst einmal nachgerechnet, dass das Honorar für die Seite von Spießer Alfons zu hoch ist, obwohl die Summe schon vor zwei Jahren aus Kostengründen um rund 50% gekürzt worden war. Aber Alfons ist damals standhaft geblieben und hat auch zum halben Honorar seine ganze Seite weiterhin wöchentlich geschrieben. Denn der Spießer versteht sich als Sozialarbeiter, der nicht für den reichen Verlag gearbeitet hat, sondern für seine langjährige Lesergemeinde. 😉
Doch dann zog Chefredakteur Adam Riese plötzlich die Rote Karte aus seinem Ärmel und erklärte dem Spießer mit einem Schreiben aus heiterem Himmel, dass das Thema Printwerbung in HORIZONT nicht mehr vorrangig zu behandeln ist, weshalb man die spießige Kolumne eliminieren will. Das Resultat ist aktuell zu sehen in Heft 1/2017: Der Verlag hat die letzte Seite, wo früher Spießer Alfons gestanden hat, gefüllt mit einer ganzseitigen Eigenzeige – wenn Ihr Eure Pupillen bitte mal auf diese Annonce bewegen wollt, liebe Lesergemeinde! Das ist wirklich ein echter Ersatz für den HORIZONT-Abonnenten, der hier quasi für eine Anzeige statt für die Kolumne von Spießer Alfons zahlen muss.Weiterlesen →